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Im Klettergarten des Mount Improbable.
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"Und deine letzte Größe, mein Wille, spare dir für dein Letztes auf, - dass du unerbittlich bist in deinem Siege! Ach, wer unterlag nicht seinem Siege! (Friedrich Nietzsche, 1844-1900)
Aus der kritischen Studienausgabe von Colli und Montinari ist der vierte Band unter dem Titel: "Also sprach Zarathustra" preisgünstig aufbereitet. Zu Recht, findet sich doch mit Nietzsche einer der größten deutschen Denker ein, der mit seinem Hauptwerk aus den mannigfaltigen Vorbereitungen und Vorüberlegungen hier zu drei Schlussthesen seines Lebens-Werkes kommt: (1) Gott ist tot. (2) Der letzte Mensch ist zu überwinden im Willen zur Macht. (3) Die Geburt des Übermenschen.
Die Eroberung des Unwahrscheinlichen bedarf einer Überspannung im Denken und einer unumstößlichen Forderung. In Anlehnung an Platon, der Mensch müsse ein über sich hinausgehendes Wesen sein, geht Nietzsche auch hier seinen Weg. Nicht das Mehr-Haben-Können wird hier zum Einstieg in die Höherentwicklung gefördert, sondern das Weiterkommen im Klettergarten des eigenen Ichs durch Askese. "Gieb ihnen Nichts, sagte der Heilige". Und selbst Zarathustra war nicht arm genug, ein Almosen zu geben. Nietzsche geht zurück auf Los, zurück in den Kern des eigenen Menschseins und will eine Aufbauarbeit an sich ohne äußere Faktoren und Bedingungen. Dass, was der Mensch seinem Gott zuschreibt, habe er sich selbst zuzuschreiben. Ein jeder macht sich selbst einen Gott, lesen wir in Pascals Pensees und er verweist nur auf die Weisheit Salomons (15, 8 und 16). Gott ist tot, wenn der Wille zur Macht über sich zur finalen Selbstüberwindung und dann zur Selbstbestimmung führt. Wenn alles Lebendige Gehorchendes ist, dann folgt: "Dem wird befohlen, der sich nicht selber gehorchen kann". Die Über-Windung des letzten Menschen, der noch an die Unmöglichkeit der letzten Selbstformung glaubt, muss geschehen, damit die Über-Windung im Über-Menschen sich zeigt. Erst in dieser Rolle wird der Mensch wie Gott, der, weil mit all seinen Attributen übernommen, nicht mehr im Geistigen existieren muss. Der Mensch ist vollendet im Zyklus von Unter-Gang, Über-Gang und Auf-Gang. Der Verächter des Bisherigen wird erkannt als Verherrlicher des Zukünftigen. "Vollkommnes lehrt hoffen".
Nietzsche liebte die Sommer in Sils Maria, die Berge und ihre Besteigung. Sein Gedanke, höher- statt weiter zu kommen, ist vielleicht hier geboren. Zarathustra stieg allein im Gebirge abwärts, um zu verkünden. Verkündung war ein Akt der Akrobatik, ein Tanz auf einem Seil und diese Metapher Nietzsches prägt die Ambivalenz auf dem Wege der Über-Windung, des platonischen Bildens seiner inneren Statue. Dieser Weg ist gefährlich und wir lesen hier, dass Zarathustra tröstet. Er tröstet eben diesen Seiltänzer, der die Gefahr zum Beruf gemacht hat.
Und damit kann er siegen oder im Siege untergehen, wenn dieser nur vermeintlich ist. "Oh Wille, Wende aller Noth, du meine Nothwendigkeit! Spare mich auf zu Einem grossen Siege! -- Also sprach Zarathustra." Es geht gen Mitternacht, "die alte tiefe Mitternacht". Man hört, was der Tag verschweigt: "Oh Mensch, gieb Acht!" In der Tat steht hier die Bewunderung Nietzsches an zweiter Stelle, an erster die Gedanken zur Selbstbestimmung, zur Selbstformung. Hier zeugt ein Rilke Gedicht, insbesondere der Schlußsatz aus Apollos Torso, von Nietzsches Ansinnen: "Du musst dein Leben ändern".
Wieder ist der Mensch auf sich zurückgeworfen als auf den Selbstschöpfer aller Dinge. Wieder ist die alte Fassung: "Ich, Plato, bin die Welt", möglich geworden und steht als letzte Weisheit am Anfang aller Philosophie. Nicht jedoch als Identifikation von Person und Wahrheit, sondern als klar bewußte und gewollte Schöpfertat Dessen, der sich selbst als den Weltenträger erkannt hat. "Ich, Nietzsche-Zarathustra, bin die Welt, sie ist, weil ich bin, sie ist, wie ich will". Dieses Ergebnis offenbart sich in den geheimnisvollen Schlussworten: "Mittag, Augenblick des kürzesten Schatten; Ende des längsten Irrthums. Höhepunkt der Menschheit; Incipit Zarathustra". All dasjenige, was den Geist zu strenger Selbstbescheidung zwingt, was ihn von allen Seiten bedingt und beeinflusst, das personifiziert sich Nietzsche unter dem Bilde einer zügellosen Allmacht, die er auf einen übermenschlichen Einzelnen überträgt. Dieser gelangt nicht im Zuge einer Kontemplation zum Höchsten, es ist die schöpferische Tat, als Handlung und als Befehl, der an die Welt ergeht. Denn "die eigentlichen Philosophen aber sind Befehlende und Gesetzgeber", sie sagen, "so soll es sein". Wohin? und Wozu? ist ihr Erkennen und damit ihr Schaffen, die causa prima einer schöpferischen Zukunft im "Willen zur Macht". In Ethik und Ästhetik wachsen sie hinauf; Gott, Welt und Mensch verschmelzen zu einem einzigen ungeheuren Überwesen. Die Begrenztheit des historischen Menschen konnte Nietzsche nicht akzeptieren, er suchte wie später Mircea Eliade in der ewigen Wiederkehr des Gleichen den neuen Lebensentwurf.
Vielleicht will ein Leser in eine vorbehaltlose Mitwisserschaft eintreten, die vom Ursprung her, vom vorbehaltlosen Erleben ein Verstehen Nietzsches ermöglicht. Voraussetzung ist ein Aushalten eines Streites gegen Jeden und Keinen und alles, was man selbstbezüglich versteht, muss abstrahiert werden können in ein Großes und Ganzes. Dass, was Nietzsche hier im Zarathustra präsentiert, ist nicht nur die Metamorphose der Philosophie in reine Dichtung, es ist fast leidenschaftlicher Gesang. Es ist Musik, die den Bogen aufnimmt zum Erstling und die dort empfundene Geburt der Tragödie in diesem Geiste nachempfindet. Sloterdijk nannte Nietzsche einen Jahr-Tausend-Mann. --
Eine Rezension von kpoac >
vom 22. September 2009 | | |
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| Siehe auch folgende Artikel: |
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| | | Der Antichrist: Versuch einer Kritik des... Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch... Ecce Homo: Wie man wird, was man ist Richard Strauss: Also sprach Zarathustra von Herbert Von Karajan, Bp, und Richard Strauss (Komponist) (in Musik) Zarathustra von Sina Vodjani (in Musik)
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